Trans-Savoia 2011
Savoy-Enduro-Tour für Anfänger?
Tag 1
Treffpunkt in der Westschweiz, Autobahnraststätte Greyer. Erste Begegnung mit den 8 Teilnehmern und ihren Motorrädern, überwiegend BMW. Alles ausgerüstete Endurofahrer, wie man deutlich erkennen kann. Um der herannahenden Kaltfront auszuweichen geht es mit zügiger Fahrt Richtung Süden.
Bei Martiny verlassen wir die Schweiz und fahren in zügigem Tempo Richtung Süden. Wir fahren über einige Pässe wie den grossen Sankt Bernhard den Col de lÍseran, meistern viele Kurven bis wir unser Ziel in den französischen Alpen erreichen: Mont Cenis. Auf einem wunderbar lieblich anmutenden Hochplatteau befindet sich unsere einfache und sehr gemütliche Unterkunft auf 2110 Meter über Meer . Ein Ort der Stille in mitten der Berge, behaust von Murmeltieren und einem Fuchs. Die erste Tagesetappe ist geschafft und die Zimmer werden bezogen. Eine eingeschworene Gemeinschaft geniesst den Abend und Vorfreude auf den nächsten Tag.


Tag 2
Der nächste Morgen zeigt sich sonnig und bitter kalt. Das Thermometer zeigt nicht mehr als -2 Grad und die Gartenterrasse ist mit gefrorenem Frost überzogen. Nach dem Frühstück werden die Maschinen gestartet. Im Konvoi geht’s talabwärts auf ein Trainingsgelände, um die wichtigsten Grundmanöver zu üben und etwas Grundlagentheorie zu vermitteln. Ein perfekter Start, bevor die erste Schottertour beginnt. Zwei Gruppen werden gebildet – eine für schnellere Fahrer und eine Für Anfänger - ich befinde mich in der Krabbelgruppe für Anfänger und bin froh darüber.

Die erste Enduro-Schotter-Tour meines Lebens beginnt. Das Adrenalin steigt. Die Grundlagen sind in meinem Kopf, die Konzentration gebündelt und der Blinker gestellt, um ins Gelände abzubiegen. Das Tempo wird vom erfahrenen Tourguide vorgegeben und es geht auf die erste Piste. Der Weg führt durch Wälder über Haarnadelkurven stetig in die Höhe und mit zügigem Tempo fahren wir aufs Hochplatteau, wo die schnelle Gruppe kurz vor uns angekommen ist. Mittagspause an der Sonne – ausatmen. Eine tolle, erste Erfahrung – das Adrenalin normalisiert sich wieder. Die Strecke führt wieder etwas talwärts über Schotter und Steine bis der Weg wieder in eine Strasse mündet. Die erste Schotterrunde meines Lebens ist geschafft und ich bin überrascht, wie gut solche Strassen und Wege zu fahren sind mit der richtigen Maschine und den richtigen Instruktionen und Tipps der Tourguides. Die Runde wird ein zweites Mal gefahren und diese Uebung zahlt sich aus. Das Fahren auf Schotter beginnt Spass zu machen und die Lernkurve ist enorm. Abends sitzen wird bei gemütlicher Runde in unserem Murmeltierquartier und geniessen ein feines Abendessen. Müde und zufrieden sinkt jeder früher oder später in seine Schlafkoje.
Tag 3
Der Tag beginnt wieder bitterkalt – die Sättel unserer Maschinen sind mit nächtlichem Reif weiss überzogen. Nach dem Frühstück machen wir unsere Maschinen klar und starten Richtung Italien. Heute ist ein grosser Tag mit einer grossen Runde vorgesehen. Die Krabbelgruppe wurde kurzerhand abgeschafft – wir bilden eine einzige Gruppe. In Susa wird nochmals aufgetankt und Cappuccino getrunken. Das 1. Etappenziel ist Fort Pramand. Ein steil hochragender Berg mit einer Höhe von 2700 m über Meer ist unser Tagesziel. Nach einigen Schnellstrassenkurven erreichen wir die Abfahrt auf eine kleine Teerstrasse die sich den Berg hoch zieht bis der Schotterweg beginnt. Unaufhörlich geht es in die Höhe – steile Aufstiege höher und höher. Nach jeder Haarnadelkurve zeigen sich neue Bodenverhältnisse die eine entsprechend angepasste Fahrweise verlangen. Dieses Schottersträsschen ist von Furchen durchzogen, mit Steinen übersäht, mal mit weichem mal mit hartem Untergrund. Auf der linken Seite ist der Hang stets steil abfallend in die Tiefe. Die Herausforderung ist gross, die Konzentration grösser und das Geleit durch den Tourguide professionell und sicher. Die körperliche und mentale Anstrengung ist zu spüren doch dann kommt das Adrenalin. Und es geht hoch und hoch und hoch …. Bis das Fort erreicht ist.

Auf einem Platteau geniessen wir unseren Lunch bei herrlicher Aussicht in die umliegenden Berge und Täler. Anschliessend führt uns unser Weg stetig den Berg hinauf, der Untergrund wird mit zunehmender Höhe schroffer und steiniger. Wir durchfahren einen ca. 1 km langen, unbeleuchteten, schmalen, nassen Tunnel bevor uns der Weg weiter in die Höhe bringt.
Kurz vor dem Gipfel des Monte Jafferau wird nochmals alles an Kraft und Konzentration abverlangt – die ausgewaschenen Steine liegen fest im Boden und rütteln und reissen an der Maschine während der Fahrt. Eine Idealspurt ist manchmal nicht auszumachen und es gilt einfach durchzuziehen. Mit genügend Rüttel-Tempo ist auch dieses schroffe Stück geschafft und komme oben auf dem Gipfel erleichtert an. Die schnelle wartet bereits.
Wohl für jeden der Teilnehmer war diese Strecke eine Herausforderung. Kann es kaum glauben, bin ganz oben angelangt auf rund 2700 Meter über Meer. Die Aussicht ist überwältigend.

Nach einer ausgiebigen Pause machen wir uns wieder in 2 Gruppen auf, den Berg hinabzufahren. Die schnellen voraus – die langsamen hinterher – jeder in seinem Tempo – der sicherste Weg.
Zurück im Tal gibt’s zur Belohnung Eis und Cappucchino bevor wir die Rückfahrt zu unserem Domizil antreten. Müde und geschafft von den Eindrücken des Tages sitzen wir abends in entspannter und lustiger Runde zusammen und geniessen den erfolgreichen Tag. Wohl ein Jeder ist auf seine Kosten gekommen. Irgendwann ist das letzte Glas Wein getrunken und eine wohlverdiente Nachtruhe kehrt ein.
Tag 4
Der letzte Tag beginnt mit wärmeren Temperaturen. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen zusammen, zurren unsere Bags auf den Motorrädern fest um die Heimfahrt anzutreten. Nachdem nochmals aufgetankt wurde geht’s Richtung Norden. Wir fahren über einige Pässe mit vielen Kurven bis wir die Schweizer Grenze erreichen. In Martiny machen wir nochmals Rast und fahren dann weiter Richtung Greyer. Hier endet die Tour und nach der Verabschiedung fährt jeder seines Weges. Die Eindrücke bleiben.
Als Anfängerin war ich in jeder Minute begleitet und geführt unterwegs in dieser neuen Welt des Motorradfahrens. Die Stimmung war zu jeder Zeit sehr gut und äusserst angenehm.
Ein grosses Lob und Dankeschön an die Tourguides und die Begleitpersonen. Mit Fingerspitzengefühl, viel Erfahrung dem gewissen Etwas wurde diese Tour zu einem Erlebnis der besonderen Art.
Vielen Dank für diese lehrreichen und wunderbaren Tage mit Euch in den französischen Alpen.
Regina (alias Ingrid)

