TRANS-MEDiTERRANEA 08
Na, und ich bleibe dabei, eine GS ist für das Gelände gebaut und nicht den Boulevard. Heisst ja auch GS und nicht BS.
Tja, meine Kupplung hat den Trip nicht überlebt. Diverse Faktoren führten dazu, dass ich abbrechen musste, nachdem ich die HEIKLEN PAssagen hinter mir hatte (gopf). Die Faktoren sind aus meiner Sicht: Zu hohes Fahrergewicht, zu geringe Fahrerfitness - dadurch Überanspruchung der Kupplung. Dazu die Tatsache, dass ein Grossteil der Kupplung 10jährig ist und 75.000 anstrengende Kilometer lang geschafft hat ohne zu murren - irgendwann ermüdet Material einfach. Will sagen: Schuldige oder Verantwortliche sind hier nicht zu finden. Shit happens. Das hat Marc sicher auch gedacht, als ich ihm half, Lady Lime wieder aufzurichten, oder?

Meine Grenzen habe ich dieser Tage oft gesehen, erreicht und überschritten. Jeder aus der "gebückten Fraktion" wird unwillkürlich nicken und mir zustimmen, wenn ich sage, dass eine Rennsemmel die extreme und perfekte Kurve sucht und braucht. Meine GS sucht anderes Geläuf. Sucht und findet die Grenze des Fahrbaren nicht am Drehzahlbegrenzer, sondern im Gelände. Wieviel Absatz schafft sie? Wieviele Dreck passt ins Profil? Wie hoch kann das Wasser steigen? Ist der Hügel nicht doch zu steil?
Das sind Fragen, auf deren Antwort mein Töff ganz versessen ist! So, wie jeder Töff Antworten sucht, die wir Fahrer ihnen zu geben versuchen. Und ich? Auch ich habe mich bemüht, ihr diese Antworten zu geben. Ich brauche halt noch einige Zeit, um die Fähigkeiten meiner Maschine so auszuloten, dass sie all diese Antworten erhält.
Bis dahin muss mir grad niemand erzählen, die GS sei nicht geländetauglich!
ICH bin es noch nicht genügend - und habe sicher nicht die Not, dass auf den Töff abzuschieben. Mit ner KTM (oder einer anderen Hard-Enduro) durch den Dreck zu fräsen ist Fun bzw. Sport. Genialer Sport ohne Frage. Und riesiger Fun. Mit der GS durchs Gelände zu pflügen ist schwere, mühselige und manchmal vergebliche Arbeit. Und Lebensgefühl jenseits von Zeitvergleichen oder so.

Als ich am 2. Abend oben auf dem Colle XXXXX (Geheim!) stand und in das uns umgebende Nebelmeer schaute, in die Gesichter meiner Kollegen, das Lagerfeuer wahrnahm und dann dazu die mich
umgebende Stille - da wusste ich genau, warum ich auf dieser Tour war. Warum ich immer wieder solche Momente suche. Die dabei entstandenen Gefühle muss ich nicht beschreiben: Die einen kennen sie, die anderen werden sie nicht verstehen.
Aber ich weiss nun, dass ich, wenn ich an meinen Grenzen entlang wandere, an wunderschöne Orte gelangen kann! Darauf kam es an. Nicht auf die Wahl der Maschine oder darauf, dass ich nun für dieses Erlebnis werde 2000 Franken Vergnügungssteuer zahlen müssen. Auf diesen AUgenblick da oben kam es an. Den Stress, die Angst, die Mühe - und letztlich den Erfolg hinter sich, den Himmel über sich (etwas Whiskey in sich...) und ein weiterer spannender Tag vor sich. Das war MEINE Trans-Mediterranea 08.
Ob die 09'er Version von mir gefahren wird, wird wohl ganz banal davon abhängen, ob ich etwas abspecken konnte, ob ich genug Geld als Rücklage habe für Reparaturen - und ob MoT mich nochmal einlädt. Den Reiz spüre ich allerdings schon jetzt.
Natürlich denke ich immer wieder darüber nach, mir eine spezielle Dreckfräse zuzulegen fürs Grobe. Aber eben: Mit ein und demselben Töff Gepäck für 2 Wochen Camping transportieren, neben hohen asphaltierten Alpenpässen etliche Schotterstrecken und das eine oder andere gröbere Gelände bewältigen... wird die Liste an möglichen Maschinen wohl sehr lang sein, wenn man die grossen BMW's und KTM's als bekannt voraussetzt? (im Übrigen darf ich nun erwiesenermassen von mir behaupten, dass ich in der Lage bin, eine vollgepackte 1100GS ALLEINE wieder aufzustellen!!! Diese Frage wäre also mal beantwortet, liebe Schneekuh.
Mit solch billigen Tricks kannst du mir künftig nicht mehr kommen!!)

Und jetzt denke ich mich nochmal kurz an den letzten Aufstieg meiner letzten Etappe zurück. SO hart, dass ich mir die Zunge blutig gebissen habe vor Anstrengung. Das ich in den Helm hineingeflucht und geheult habe, weil diese sackschwere Maschine schon wieder kippen wollte. So steil, dass ich nicht wusste, ob ich noch sitze oder schon kippe. So steinig, dass ich manchmal nicht mehr wusste, wo der Weg ist.
Und am Ende doch bezwungen!
Gruss, Holger