Führ mich zum Schotter 3 - 2011

 
Es begann Ende 2010 als ich die Idee hatte, mit ein paar Verrückten eine Crosspiste zu mieten um einmal ganz alleine das Fahren auf Schotter zu üben. Dieses Unternehmen erwies sich jedoch als extrem schwierig, denn die meisten Pisten oder Kiesgruben werden nicht einfach so an Private vermietet. Als ich das Projekt schon zurück in die Schublade stecken wollte, kam an einer Mot-on-Tour Sitzung die Idee auf, einen Nachfolgekurs für den Führ-mich-zum-Schotter-Kurs durch zu führen. Da durch mein eigenes Projekt schon etwas an Vorarbeit geleistet war, versuchte ich nun unter dem Patronat von Mot-on-Tour meine Idee weiter zu führen. Es folgten Telefonate und Mails an diverse Stellen, bis ich endlich (und glücklicherweise) an Herrn Müller von der Crosspiste Niederbipp gelangte. Am Telefon haben wir ausführlich über meine Idee gesprochen und ich hatte den Eindruck, dass Herr Müller positiv eingestellt war. Ich mochte mich aber nicht zu früh freuen, denn diesen positiven Eindruck habe ich schon einige Male erlebt, die Absage kam dann aber meistens postwendend. Nun denn, unser Telefonat endete mit einer Verabredung zum persönlichen Treffen.
 
Schon bald war es soweit, Herr Müller und ich trafen uns in einem Restaurant. Ich war ziemlich nervös, hing doch einiges an diesem Treffen. Meine Befürchtungen haben sich jedoch schnell in Luft aufgelöst. Herr Müller ist sehr sympathisch und meiner Idee sehr zugetan. Nach rund 2 Stunden hatte ich die Zusage von Christian (Herr Müller), dass wir diesen Kurs auf der Crosspiste Niederbipp durchführen dürfen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und so stürtzte ich mich in die vorbereitungen denn ich hatte einiges zu tun bis der Tag der Tage kommt. Wie plane ich den Tag, was möchte ich den Teilnehmern weitergeben, wie steht es um die Verpflegung etc. etc. Kurz gesagt, es lief alles wie am Schnürchen.
 
Freitag, 3. Juni 2011
 
Heute ist es soweit! Nachdem ich am Vorabend noch ein Leihmotorrad und einen Transporter abgeholt habe, geht es jetzt endlich los. Halb sechs und ich mach mich auf den Weg, zwar viel zu früh aber egal… heute ist DER Tag.
 
Mit den Teilnehmern und Christian Müller haben wir um 8 Uhr vor dem Pisteneingang abgemacht. Nachdem ich jetzt viel zu früh vor dem Tor stehe, vertreibe ich mir die Zeit mit mentaler Vorbereitung auf den Theorieteil. Plötzlich höre ich einen Motor? Halb 8 und schon jemand im Anflug? Tatsächlich, McMech trifft ein, Cool, dann muss ich nicht alleine warten. Zusammen richten wir uns ein, Kaffee, Gipfeli, Mineral etc. habe ich mitgebracht. Während wir uns unterhalten, treffen schon die ersten Teilnehmer, sowie Schmidi und Steffu ein, nun kann es losgehen!
 
Es ist etwa viertel vor Neun, jeder hat seinen Kaffee getrunken, die Einstellungen an den Motorrädern sind gemacht und wir wollen endlich fahren. Damit wir uns an das Fahren auf losem Untergrund gewöhnen, machen wir zuerst ein paar einfache Übungen. Gas geben, Bremsen, wie stehe/sitze ich richtig auf dem Töff, Motor abwürgen im Hang und weitere kleine Übungen.
 
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Langsam merke ich, dass die Teilnehmer mehr wollen. Ok, sollen sie haben, nach einer kurzen Pause gehen wir auf die Piste los. Zuerst lernen die Teilnehmer wie man richtig einen Hang hinunter kommt um sogleich einen herrlichen Anlieger zu fahren. Dem nicht genug, weiter mit einem Anlieger einen Hang bergauf. Ob ich spinne? Klar doch, jedenfalls sagen mir das einige Teilnehmer als wir zu Fuss die Strecke besichtigen. Während der Pause haben Schmidi und ich die Strecke kurz abgesteckt, damit es einen kleinen Rundkurs gibt welcher Anstiege, Anlieger und Abfahrten enthält.
 
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Gemein nicht? Wie auch immer, ist ja schliesslich FmzS 3, the next Level!
Als wir die Strecke besichtigt, einige Teilnehmern sich noch nicht ganz sicher ob das gut kommen soll, legen wir los. Einzeln und unter Kontrolle dürfen die Teilnehmer auf die Piste. An allen neuralgischen Punkten steht ein Guide. Es läuft gut, natürlich gehört ein gepflegter Abstieg zu einem Endurotag wie die Butter aufs Brot. Und hier dauert es nicht lange, bis sich der Erste flach legt. Passiert ist nichts und es sollte auch nicht der letzte Sturz an diesem Tag sein.
 
Die erste Sektion fährt sich schon wie eine Eins, wieder Zeit für eine kleine Pause, unser Flüssigkeitshaushalt muss wieder aufgefüllt werden. Obwohl uns die Bise um die Ohren pfeift, schwitzen wir wie blöd! Nach 15min ist die Pause vorbei, weiter geht es im Programm. Auf dem Plan steht nun Blicktechnik. In der zweiten Sektion habe ich einen kleinen Singletrail den die Teilnehmer befahren sollen abgesteckt. Ich instruiere zuerst mal wo es durch geht und zeige gleich wie man diesen Singletrail gefahrlos fahren kann. Wichtig ist hier die Blicktechnik. Als Anhaltspunkt befindet sich geradeaus eine Flagge, welche man gut als Referenz benutzen kann. Wieder schaue ich in ungläubige Augen der Teilnehmer, „ihr seid ja verrückt“ höre ich von einigen. Ja, sind wir, aber es ist alles fahrbar. Ich erkläre kurz wie wichtig es ist, hier die richtige Blicktechnik anzuwenden und denn Q-Euter, dass sie nur knapp Platz haben und schon legen wir los. Wieder stehen an den wichtigen Stellen die Guides um im Notfall zu helfen. Und wir sollten nicht arbeitslos bleiben, I.P. der sich kurz nicht nicht auf die richtige Blicktechnik konzentriert hat liegt seiner Q im Graben und streckt beide Räder in die Höhe. Zum Glück sind wir genug im die 12er auf die Beine zu stellen. Immer wieder vergessen einige Teilnehmer sich an die Blicktechnik zu erinnern und kommen so nur mehr schlecht als Recht durch den Singletrail. Mit jeder runde bessert sich das markant und man erkennt, dass sich die Geschwindigkeit erhöht.
 
Es wird wiedermal Zeit für einen Schluck Wasser und eine Zigarette. Also Pause! Pause? Huch wie die Zeit rennt, es ist ja schon Mittag. Erika (die Frau von Christian) hat sich schwer ins Zeug gelegt und für uns ein wunderbares Mittagessen vorbereitet, vier verschiedene Salate und feine Steaks auf dem Grill. Herrlich wie das duftet. Bald ist es 13 Uhr und alle wollen wieder ins Gelände. Schön anzusehen wenn sich Menschen so auf etwas freuen können. Na dann wollen wir mal weitermachen, im hintersten Eck der Piste, dort hat es einen tollen Aufstieg.
 
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Zuerst schauen wir uns den Aufstieg von oben an und ich fahre vor. Tückisch hier ist nicht die Länge des Aufstiegs sondern auch die Kante kurz vor dem Top. Bei dieser Kante ist es kaum zu vermeiden, dass die Moppeds die Beine heben werden.
 
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Aber, wie schon gesagt, DASS ist FmzS 3 "Führ mich zum Schotter 3", the next Level, also nichts für blutige Anfänger! Hust Hust, nein natürlich nicht, wer den FmzS 1 besucht hat, wird hier ganz sachte an einen höheren Schwierigkeitsgrad herangeführt. Zurück zum Kurs, wir wollen fahren… Jetzt bin ich dreimal hoch gedonnert und hab hübsch den Bodenkontakt verloren. Genau wie es sein soll. Nun sind die Teilnehmer an der reihe. Noch einmal eine kurze Instruktion und los geht’s. Unglaublich, welch Elan in diesen angehenden Enduristis steckt. Toll! Ausnahmslos jeder bringt seiner Maschine das fliegen bei. Herrlich!
 
Viel zu schnell vergeht die Zeit, es liegt schon wieder eine Pause an, denn trotz der Bewölkung und der Bise schwitzen wir und müssen dadurch den Flüssigkeitsnachschub gewährleisten. Während wir unsere Pause geniessen und fachsimpeln, bereiten Steffu und Schmidi die Crosspiste für das Highlight vor. Die nächsten beiden Stunden ist freies Fahren vorgesehen. Juhuu!
 
Ich instruiere nocheinmal kurz die Teilnehmer über die Verhaltensregeln auf dem Kurs und rufe nochmals das Gelernte in Erinnerung, schon kommen die beiden wieder zurück. Die Strecke ist bereit! Das Strahlen in den Augen der Teilnehmer spricht Bände, alle wollen los. Na gut, dann soll es so sein, ich gebe die Strecke frei.
 
Kurz darauf kann auch ich mal meine kleine Drecksau ausgiebig testen und auch mein Grinsen geht immer weiter in die Breite. Endurofahren macht einfach nur Spass! Die erste Runde noch ein wenig zurückhaltend, die Zweite dann schon mit mehr Mut. Geil, doch ich merke meine Kondition lässt schnell nach. Jeder Meter wird anstrengender, wann ist die Runde endlich zu Ende? Endlich, ich sehe den Ausstieg, parke meine Maschine und falle fast vom Hobel. Ich bin kaputt! Tja, dann mache ich halt eine Pause, ich hab ja noch Zeit. Nach ein paar Minuten und einer Zigi mache ich mit C.S. nochmals auf den Weg, es macht immer mehr Spass und ich bekomme immer mehr Vertrauen in meine Husky. Die Zeit fliegt und schon ist es halb fünf. Ich nehme die Strecke noch ein letztes Mal unter die Räder, meine Arme und Beine brennen, doch das Glücksgefühl hat die Überhand. In meinem Kopf wird ein Gedanke, den ich schon länger habe, immer konkreter: Ich will diesen Kurs das nächste Jahr wieder durchführen. Das Ende naht und ich bin nun doch froh, dass die Runde zu Ende geht. Nun noch Mopped abstellen, ausruhen und mich vorbreiten für das Debriefing.
 
Zum Glück bin ich mit einem Transporter hier, so kann ich mich umziehen und trockene Kleider montieren. Den Töff habe ich auch schnell wieder verladen, somit habe ich nach dem Debriefing nicht mehr viel zu tun. Langsam aber sicher ist auch der letzte Fahrer von seiner letzten Runde zurück, der Tag geht nun unwiderruflich dem Ende zu.
 
Debriefing!
Wie es sich für einen Mot-on-Tour Event gehört, wird nach einer Tour oder Kurs kurz ein Debriefing durchgeführt. Meine Kühlbox spuckt, oh Wunder, für jeden ein Bier aus. Natürlich Alkoholfrei, denn die Meisten sind mit dem Töff hier. Wir schwatzen noch über den Tag, erklären den Teilnehmer und Zuschauern das weitere Jahresprogramm von Mot-on-Tour und geniessen die Geselligkeit.
Ich ziehe mich kurz zurück und gehe zu Christian, frage ihn wie er mit uns zufrieden ist und ob wir vielleicht nächstes Jahr wieder kommen dürften. Seine Antwort überrascht mich doch ein wenig, denn ich habe immer noch im Kopf, wie schwierig die Suche nach einem geeigneten Gelände war. Christian war sehr mit uns zufrieden, die Orga sei perfekt gewesen, die Teilnehmer sehr diszipliniert und anständig unterwegs. Wir bekommen die Strecke nächstes Jahr wieder!!! Juhuuuuuu ... mir fällt ein kleiner Fels vom Herzen. Ich lasse mir die Chance natürlich nicht entgehen und fixe gleich das Datum für 2012.
 
Führ-mich-zum-Schotter 3, The next Level findet wieder am Freitag nach Auffahrt (18. Mai 2012) statt! Natürlich sind wir auf den Wettergott angewiesen, aber da bin ich jetzt mal zuversichtlich.
 
MoT6